Der Adler Führung in der oeffentlichen Verwaltung
Der Adler – Führung in der öffentlichen Verwaltung
Aus einem Gespräch über Führungserfahrung im KIGA-BL, Juli 2026
---
Der Adler als Führungsbild
*"Man braucht einen Adler, der alles überfliegt und dann, wenn Not am Mann ist, hinunterstösst zur Maus – und wenn es nicht mehr nötig ist, wieder hinaufgleitet in die Lüfte."*
Führung in der öffentlichen Verwaltung ≠ Privatwirtschaft
Die öffentliche Verwaltung ist anders, weil:
- **Spezialisierung durch Erfahrung** – man kann Spezialisten nicht einfach "heranzüchten". Ein KIGA-Sachbearbeiter mit 15 Jahren Erfahrung kennt jede Verfahrensnuance, jede Grauzone, jeden Richter.
- **Gigantische Investition in Erfahrung** – diese Leute sind das institutionelle Gedächtnis.
- **Hoher Turnover = Krise** – je mehr erfahrene Leute gehen, desto mehr muss man mit Jungen arbeiten, die die Erfahrung nicht haben.
- **Verfahrensrechtliche Bindung** – man kann nicht einfach "agil" machen.
- **Kein hoher Turnout gewünscht** – man will nicht, dass Leute gehen.
Was ein guter Chef in der Verwaltung können muss
# 1. Beides: Tiefe UND Breite
*"Ein guter Chef muss beides können: in der Tiefe arbeiten und in der Breite. Er muss im Notfall eingreifen können."*
Tiefe: Wenn alle MA krank oder verunfallt sind, muss der Chef selbst am Computer sitzen und Sachbearbeitung machen können. Ein solcher Einsatz wird von den MA sehr geschätzt – sie sehen: "Er kann unsere Arbeit auch."
Breite: Architekturwissen. Verstehen, wie das Kleine zum Ganzen und das Grosse zum Kleinen sich verhält. Nur wer das Verhältnis der kleinen Dinge zu den grossen Dingen sieht, kann den Rahmen richtig setzen.
# 2. Hermeneutik
*"Man muss wissen, wie die Dinge ineinandergreifen, damit man versteht, was passiert, wenn man den Rahmen ändert. Man kann den Rahmen nur setzen, wenn man das Verhältnis der kleinen Dinge zu grossen Dingen sieht – das nennt man auch Hermeneutik."*
# 3. Exakt dosiertes Wissen
*"Man braucht nicht in allem Expertenwissen. Man muss aber von vielem genug Wissen haben – in der Tiefe genug, um einzugreifen, und in der Breite genug, um den Rahmen zu setzen."*
Was einen guten Verwaltungs-Chef ausmacht (Kernaussage)
1. Fachliche Souveränität – die MA verlangen einen Chef, der extrem gut belesen ist und dem man fachlich vertrauen kann.
2. Respekt durch Können – nicht durch Hierarchie. Die MA schauen, ob der Chef weiss, wovon er redet.
3. Klare Entscheidungen – auf Augenhöhe, aber fundiert.
4. Eingreifen können, ohne kleben zu bleiben – wie der Adler: zustossen, wenn nötig, dann wieder hoch.
Problemanalyse: Erfahrungsverlust in der Verwaltung
*"Je mehr Leute mit Erfahrung turniert werden, desto mehr muss man mit jungen Leuten arbeiten – aber die jungen Leute haben die Erfahrung nicht."*
Die Krise der öffentlichen Verwaltung: Institutionelles Gedächtnis geht verloren. Erfahrung kann nicht schnell aufgebaut werden. Chefs müssen diese Lücke teilweise füllen – durch ihre eigene Tiefe und Breite.
---
Abgeleitet aus einem Führungsgespräch über Berger, Autonomie und die Frage "Was ist ein guter Chef?"